Wirtschaftsinteressen vs. Datenschutz – Zugriff auf Meldedaten wird erleichtert

In der Nacht zum Freitag hat die Bundesregierung ein Gesetz zur „Fortentwicklung des Meldewesens“ ohne weitere Aussprache in geänderter Form beschlossen.

Dabei sollen die Daten der rund 5.200 Meldeämter vernetzt werden. Ursprünglich sollte mit einem bundesweiten Registerverbund der Datenschutz bei Meldeämtern gestärkt und Auskünfte nur noch für Werbung und Adresshandel herausgegeben werden, wenn die betroffende Person zugestimmt hat (Opt-In). Dagegen liefen besonders die Inkassofirmen und Adressdienste Sturm.

Im endgültigen Beschluss haben die Regierungsfraktionen die Bestimmungen des Gesetzes dann kurzfristig geändert: Grundsätzlich ist nun jede Weitergabe von Meldedaten für Werbung und Adresshandel gestattet, es sei denn, dem wurde vorher explizit widersprochen (Opt-Out). Dies gilt auch dann, wenn die betreffenden Daten mit bereits vorhandenen Daten abgeglichen und letztere eventuell berichtigt werden, wie heise-online berichtet.

Die Forderung von Datenschützern, die Einwilligungslösung noch auszubauen, wurde nicht umgesetzt. Auch ein ursprünglich vorgesehenes elektronisches Widerspruchsrecht der Betroffenen hat die Koalition beseitigt.

Mit der Neureglung wurden wirtschaftliche Interessen über die der Bürger gestellt. Datenschutz gibt es im Meldebereich weiter nur auf Verlangen und nicht von Anfang an. Das neue Gesetz ist beispielhaft für die aktuelle Bundesregierung, welche in Hinterzimmergesprächen Gesetze erstellt bzw. verändert und dann in letzter Sekunde umsetzt. Eine offene Diskussion vor Beschluss wird auf diese Weise taktisch verhindert.

Mit dem Gesetz wurde außerdem die Auflage, sich einen Ein- oder Auszug vom Vermieter bestätigten zulassen, wieder eingeführt. Diese Regelung war erst vor einigen Jahren wegen des hohen bürokratischen Aufwands abgeschafft worden.

Das Thüringer Meldegesetz räumt jedoch die Möglichkeit ein, der zukünftigen Übermittlung von persönlichen Daten zu widersprechen, was ohne Angabe von Gründen beim zuständigen Einwohnermeldeamt geschehen kann. Die WARTBURGPIRATEN raten dringend jedem Bürger, von diesem Widerspruchsrecht Gebrauch zu machen.

Wer heute schon etwas dagegen unternehmen will, dass seine Daten von den Meldeämtern an Adressbuchverlage oder Parteien und Wählergruppen weitergegeben werden, oder aber seinen Namen bei einem Alters- oder Ehejubiläum nicht in einer Zeitung wiederfinden möchte, kann folgendes Formular ausfüllen, und bei seinem zuständigen Einwohnermeldeamt oder Bürgerbüro abgeben. Werden auf Grund der Gesetzesverabschiedung neue Formulare entworfen, werden wir diese hier auch wieder verlinken. Vorlage: Interaktives PDF (kann am PC ausgefüllt werden) Statisches PDF (muss erst ausgedruckt werden)

[Landesverband;andreas]

       


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